Ein neues Schuljahr - und die Kunst, Maß zu halten

Mit dem Beginn eines neuen Schuljahres wurden in vielen Schulen wieder Schuleröffnungsgottesdienste gefeiert. Besonders die Kinder der ersten und fünften Klassen wurden dabei unter Gottes Schutz und Segen gestellt. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt, voller Erwartungen, Neugier und manchmal auch ein wenig Aufregung. Es ist schön, sie auf diesem Weg begleiten zu dürfen.
Ein neues Schuljahr lädt nicht nur Schülerinnen und Schüler zum Aufbruch ein. Es bietet uns allen die Gelegenheit, den Blick auf das zu richten, was wirklich trägt und wichtig ist. In einer Zeit, die oft von hohen Erwartungen, zahlreichen Verpflichtungen und ständigem Wandel geprägt ist, wird immer deutlicher, wie wichtig es ist, Maß zu halten und die eigenen Kräfte sinnvoll einzusetzen.
Gerade in unserer Pfarrei zeigt sich, wie viel entstehen kann, wenn Verantwortung auf viele Schultern verteilt wird. Die vergangenen Jahre waren von zahlreichen Initiativen geprägt, die nur deshalb wachsen und bestehen konnten, weil sich Menschen mit ihren Talenten, Ideen und ihrer Zeit eingebracht haben. Dafür gibt es viele ermutigende Beispiele.
So hat sich vor einigen Jahren ein Familiengottesdienstkreis gebildet, in dem engagierte Frauen gemeinsam Familienmessen vorbereiten und gestalten. Ihr Einsatz sorgt dafür, dass Familien in unserer Kirche lebendige und ansprechende Gottesdienste erleben können. Diese Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist ein wertvoller Beitrag für das kirchliche Leben vor Ort.
Auch der Männertreff und die „Frauen unterwegs“ haben sich jeweils zu einer lebendigen Gemeinschaft entwickelt. Aus ersten Begegnungen sowohl im Männertreff als auch in der neuen Initiative „Frauen unterwegs“ sind große tragfähige Netzwerke entstanden, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsame Unternehmungen planen und Gemeinschaft erfahren. Viele bringen sich mit Ideen und Engagement ein und tragen dazu bei, dass diese Treffen bis heute auf großes Interesse stoßen.
Aus dieser Gemeinschaft heraus entstand auch die Initiative „Nachbarschaftshilfe“. Der Gedanke, anderen Menschen etwas von dem zurückzugeben, was man selbst im Leben erfahren durfte, fand schnell Unterstützung. Seither wurden zahlreiche Hilfseinsätze organisiert, um besonders ältere Menschen im Alltag zu unterstützen. Hier wird gelebte Nächstenliebe konkret sichtbar.
Erfreuliche Entwicklungen gibt es ebenso in der Messdienerpastoral. Durch die Zusammenarbeit mehrerer Orte konnten neue gemeinsame Angebote entstehen. Auch wenn einzelne Gruppen kleiner geworden sind, zeigen konkrete Aktionen, wie viel möglich ist, wenn junge Menschen zusammenkommen und von engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen begleitet werden.
Ein besonderer Ort der Begegnung ist inzwischen auch das Lebenscafé im Haus Luzia geworden. Monat für Monat kommen Menschen zusammen, trinken Kaffee, essen gemeinsam Kuchen und verbringen Zeit miteinander. Für viele ist diese Gemeinschaft eine wertvolle Unterstützung - besonders dann, wenn sie mit Verlust, Einsamkeit oder schwierigen Lebenssituationen umgehen müssen. Oft sind es gerade die einfachen Begegnungen und Gespräche, die neue Kraft schenken.
Mut machen auch die neu gegründeten Ortsteams. In sieben Gemeinden haben sich zahlreiche Menschen gefunden, die Verantwortung für das kirchliche Leben vor Ort übernehmen möchten. Sie zeigen, dass Kirche auch in Zeiten des Wandels Zukunft haben kann, wenn Menschen bereit sind, sich einzubringen und gemeinsam neue Wege zu gehen.
Diese Aufzählungen ließen sich mit Sicherheit durch weitere ergänzen; neben vielen erfreulichen Entwicklungen gibt es aber auch Herausforderungen.
So bleibt die Frage, wie es gelingen kann, Familien langfristig für das Leben in unseren Gemeinden zu gewinnen? Nach den Erstkommunionfeiern zeigt sich immer wieder, dass viele den Weg in die Gottesdienste nicht dauerhaft finden. Das schmerzt und darf nicht verschwiegen werden.
Ich stelle auch fest, dass es in unserem Familienkreis schwierig geworden ist, einen gemeinsamen Termin zu finden. Zu sehr sind teilweise auch schon jüngere Familienmitglieder in Bezug auf Schule, Familie und Hobbys anderweitig „verpflichtet“.
Gleichzeitig gehört es zu jeder Gemeinschaft, sich immer wieder neu auf veränderte Lebenswirklichkeiten einzustellen und nach passenden Antworten und Kompromissen zu suchen. Vielleicht liegt gerade darin eine wichtige Botschaft zum Beginn dieses neuen Schuljahres: Neu anfangen, dazulernen, Grenzen akzeptieren und dennoch hoffnungsvoll bleiben. Die vielen Menschen, die sich in unserer Pfarrei engagieren, zeigen Tag für Tag, wie viel möglich ist, wenn Verantwortung geteilt und Gemeinschaft gelebt wird. Mit Gottes Segen dürfen wir darauf vertrauen, dass er uns auf diesem Weg begleitet.
Ihr Gemeindereferent Rüdiger Glaub-Engelskirchen
