Ein geistliches Wort von unserer Gemeindereferentin Astrid Koster

Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, spüre ich persönlich und in Gesprächen mit Menschen eine gewisse Verunsicherung. Was gestern noch selbst-verständlich schien, wird heute zunehmend hinterfragt. Politische Entscheidungen und gesellschaftliche Span-nungen sorgen für Diskussionen, Konflikte in Europa und der Welt belasten uns, und wir fragen uns, wie sicher Frieden, Freiheit und Demokratie eigentlich noch sind.
Gerade im November werden wir daran erinnert, dass diese Fragen nicht neu sind. Vor über 80 Jahren endete eines der dunkelsten Kapitel deutscher und europäischer Geschichte. Es begann nicht von heute auf morgen. Vieles entwickelte sich Schritt für Schritt: Menschen schauten weg, Vorurteile wurden salonfähig, Türen schlossen sich vor denen, die anders waren oder Hilfe brauchten.
Vielleicht macht uns das heute besonders aufmerksam. Demokratie, Menschenwürde und ein friedliches Miteinander sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie leben davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, einander zuhören und sich füreinander einsetzen. Sie leben davon, dass Türen offenbleiben.
In diese Zeit hinein fällt der Advent. Er lädt uns ein, nicht bei Angst und Resignation stehenzubleiben. Advent ist die Zeit der Hoffnung. Die Bibel erzählt von einem Gott, der an die Tür unseres Lebens klopft und uns Mut macht, unseren Weg nicht allein zu gehen.
Doch welche Türen sind gemeint? Nicht zuerst die Haustüren oder die Türen unserer Kirchen. Es sind die Türen unseres Herzens. Die Bereitschaft, trotz aller Unsicherheiten hoffnungsvoll zu bleiben. Die Offenheit für Begegnungen. Die Fähigkeit, anderen Menschen Raum zu geben und miteinander unterwegs zu sein.
Als Christinnen und Christen sind wir Menschen der Hoffnung. Das bedeutet nicht, Probleme zu übersehen oder Sorgen kleinzureden. Es bedeutet vielmehr, darauf zu vertrauen, dass Gott auch in schwierigen Zeiten Wege eröffnet, wo wir vielleicht nur verschlossene Türen sehen. Hoffnung wächst dabei selten im Alleingang. Sie entsteht in Begegnungen, in offenen Gesprächen, in gegenseitiger Hilfe und dort, wo Menschen füreinander da sind.
Gerade als Pfarrei dürfen wir im Advent gemeinsam unterwegs sein. Wir können einander stärken, Mut zusprechen und kleine Zeichen der Hoffnung setzen. Vielleicht geschieht das bei einer Begegnung nach dem Gottesdienst, bei einem Besuch, einem Anruf oder einer helfenden Hand. Oft sind es die kleinen Gesten, die Türen öffnen und Licht in den Alltag bringen.
So wünsche ich uns allen, dass wir in den kommenden Wochen Türen öffnen: Türen für Begegnung, für Mitmenschlichkeit und für die Hoffnung, die Gott uns schenkt. Denn eine Gesellschaft, in der Menschen ihre Herzen füreinander öffnen, ist auch eine Gesellschaft, in der Demokratie, Frieden und Menschlichkeit eine Zukunft haben.
Mögen wir gemeinsam den Weg des Advents gehen - aufmerksam für die Nöte unserer Zeit und zugleich getragen von der Hoffnung, die stärker ist als jede Angst.
Ihre und Eure Astrid Koster, Gemeindereferentin
