Danke für nichts? Nicht mit uns!

Im Monat Oktober feiern wir wieder vielerorts Erntedankfeste. Sei es im Kindergarten oder in der Schule, auf Heimatfesten oder in der Kirche: Wir sagen Gott Dank für die Vielfalt seiner Schöpfung und für alles, was wir im Leben haben und uns am Leben hält. Es ist schön, ein solches Fest wie das Erntedankfest zu haben. Doch ich glaube, es würde uns guttun, nicht nur im Oktober rund um die Erntezeit, öfter Dank zu sagen. Die Haltung der Dankbarkeit muss nicht nur eine Jahreszeittugend sein. Die Haltung der Dankbarkeit kann das Herz weiten, uns Kraft und Mut schenken und uns immer wieder im Alltag daran erinnern, dass wir geliebte Kinder Gottes sind - uns seiner Liebe verdanken.
Was meine ich damit?
Blicken wir gemeinsam in unseren Alltag. Wie schnell sitzen wir am Abend eines Tages auf der Couch und sagen: „Was für ein Mist!“ oder „Den Tag heute kannst du vergessen“. Wahrscheinlich würden wir es alle anders formulieren, aber da es ein Vorwort für den Pfarrbrief ist, habe ich es einfach mal kreativ nett umschrieben. Sie wissen, was ich meine. Können Sie sich auch an solche Tage erinnern? Bestimmt! Aber können Sie sich auch erinnern, warum es ein schlechter Tag war und was an diesem Tag genau schlecht war?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den meisten Fällen ein kurzer Augenblick die Stimmung derart verdorben hat, sodass wir am Ende des Tages den ganzen Tag gestrichen haben. Und leider ist das doch oft so in unserem Leben. Ein Blick, eine einzelne Geste, ein blöder Kommentar oder ein ganz anderer kleiner Moment im Laufe des Tages kann unsere Stimmung ziemlich schnell und nachhaltig eintrüben. Leider schenken wir solchen negativen Momenten viel mehr Beachtung und Wert als den positiven Momenten im Leben.
Auch wenn Sie sich 5 Minuten über jemanden oder etwas tierisch aufgeregt haben, so hätten Sie immer noch 1435 Minuten am Tag, in denen Sie glücklich und einfach froh und entspannt sein konnten. Doch tun wir das? Leider nein. Wie so oft überwiegen diese schlechten 5 Minuten viel mehr. Sie machen uns blind für all das, was an dem Tag auch noch passiert ist.
Statt das Gute und Schöne im Leben zu sehen und dafür am Ende des Tages dankbar zu sein, ärgern wir uns.
Gerne möchte ich uns allen eine geistliche Übung des Hl. Ignatius, des Gründers des Jesuitenordens, mitgeben. Der Hl. Ignatius hat seinen Mitbrüdern immer wieder gesagt, es sei nicht allzu schlimm, wenn sie einmal eine Gebetseinheit im Laufe des Tages vergessen würden. Nur den Tagesrückblick dürften sie nie vergessen. Gerade der Tagesrückblick war dem Hl. Ignatius besonders wichtig. Er wusste genau um die Schwäche der Menschen und wie schnell wir ins negative Denken abrutschen können, ohne den Blick auf Gott zu richten, der unsere Freude und Hoffnung sein will!
Ich lade Sie herzlich ein, den Tagesrückblick in Ihren Alltag zu integrieren.
Nehmen Sie sich zuerst einen Moment der Stille und beginnen Sie mit einem Kreuzzeichen. Rufen Sie sich den zu Ende gehenden Tag Stunde um Stunde in Erinnerung. Vergegenwärtigen Sie sich Orte, Menschen, Erlebnisse, Gedanken und Gefühle dieses Tages.
Wofür sind Sie dankbar? Bringen Sie das ruhig vor Gott, indem Sie den Satz eigenständig beenden: „Gott, ich danke dir für …“
Gab es etwas Schweres an diesem Tag? Ärger, Kummer, Wut, Angst? Auch das können Sie vor Gott bringen, indem Sie sagen: „Gott, deiner Barmherzigkeit und Liebe vertraue ich auch … an. Nimm du es an, mach du es heil und steh mir bei.“
Formulieren Sie nun eine Bitte für den kommenden Tag: „Gott, ich bitte dich für morgen …“
Und danach beenden Sie die kurze Gebetseinheit mit den Worten:
„Gott, sei du mir Schild und Schutz, Kraft und Freude mein Leben lang.
Mein Gestern, Heute und Morgen lege ich in deine Hände.
Alles mir zum Guten wende - Amen.“
Sie werden merken, dass ein solcher Blick auf den Tag Ihren Blick erweitern wird. Das Gute und Schöne, das wir so oft übersehen, wird noch einmal ins rechte Licht gesetzt. Der Blick verlässt die Enge des Negativen und führt in die Weite des dankbaren und frohen Herzens!
Frohe Grüße, Ihr Kaplan Adrian Sasmaz
