Gehen Sie gerne ins Kino? Ich kann für mich diese Frage mit JA beantworten. Aber manche Filme und die damit verbundenen Inhalte lassen mich nicht mehr los. Sie begleiten mich auch nach dem Abspann weiter, weil sie Fragen stellen, denen wir im Alltag gerne schon mal ausweichen.
Der Kinofilm „Sieben Leben“ ist so ein solcher nachdenklich machender Film gewesen. Er erzählt von Ben, einem jungen Mann, der durch einen selbstverschuldeten Unfall sieben Menschen das Leben nimmt - und fortan mit dieser Schuld leben muss. Sein Weg ist kein einfacher, kein schneller. Es ist ein Weg der inneren Auseinandersetzung, der Suche nach Frieden und nach Sinn.
Ben erkennt: Er kann das Geschehene nicht rückgängig machen. Aber er kann entscheiden, wie er weiterlebt. Indem er sich bewusst mit dem Thema „Organspende“ auseinandersetzt, eröffnet sich für ihn eine Möglichkeit der Wiedergutmachung - nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus dem tiefen Wunsch heraus, Leben zu schenken.
Sieben Leben sollen durch ihn gerettet werden. Eine Entscheidung, die berührt und erschüttert zugleich.
Dieser Gedanke wirkt nach. Denn Organspende ist kein neutrales, kein fernes Thema. Es konfrontiert uns mit der eigenen Endlichkeit - und zugleich mit einer unglaublichen Hoffnung: dass unser Leben, ja sogar unser Sterben, für andere zum Segen werden kann.
In einer danach bewussten Begegnung mit einer Frau, deren Leben durch eine Lebertransplantation gerettet wurde, wurde spürbar, was das konkret bedeutet. Dankbarkeit, Staunen, Demut - Gefühle, die man nicht planen kann, die aber tief ins Herz gehen.
Vielleicht liegt darin eine spirituelle Einladung: unser eigenes Leben neu zu betrachten. Nicht nur im Blick auf das, was wir leisten oder hinterlassen, sondern auf das, was wir schenken können. Leben ist mehr als Besitz. Es ist Gabe. Und manchmal wird diese Gabe erst im Loslassen ganz groß.
Haben wir uns je ernsthaft gefragt, welche Spuren wir hinterlassen?
Ob unser Dasein anderen Hoffnung schenkt, Licht bringt, Leben ermöglicht?
Organspende ist dabei nur ein - wenn auch ein sehr kraftvolles - Zeichen. Es geht um eine Haltung: die Bereitschaft, über sich selbst hinauszuwachsen.
Der Gedanke, mit dem eigenen Leben andere Menschen zu retten, ist zutiefst spirituell. Er erinnert uns daran, dass Nächstenliebe keine Theorie ist, sondern eine konkrete Entscheidung. Eine Entscheidung für das Leben - heute und über den eigenen Tod hinaus.
Rüdiger Glaub-Engelskirchen, Gemeindereferent

