Manche Erinnerungen tragen einen besonderen Zauber in sich. Der Muttertag gehört für mich dazu.
Ich sehe uns noch vor mir: früh am Morgen, viel zu leise wollten wir sein, während wir den Tisch deckten – und dabei doch so laut waren, dass selbst eine tief schlafende Mutter davon wach wurde. Es waren einfache Gesten, aber sie kamen von Herzen. Heute, als Erwachsener, tragen diese Erinnerungen einen warmen Glanz.
Erst mit der Zeit wird mir bewusst, was Mütter - und ebenso Väter - Tag für Tag leisten. Man versteht es oft erst, wenn man selbst Verantwortung trägt, wenn man selbst in eine andere Rolle wächst.
Familie bedeutet nicht nur Aufgaben zu erledigen, sondern für Atmosphäre zu sorgen: dafür, dass es warm ist, dass es Brot gibt, dass ein Zuhause mehr ist als vier Wände. Eine Kerze auf dem Tisch, Blumen, ein liebevoller Blick - all das verwandelt Alltag in Lebensraum.
Muttertag ist für mich deshalb mehr als ein einzelner Dank an meine Mutter. Er wird zum Anlass, innezuhalten und all jenen zu danken, die meinem Leben Atmosphäre schenken.
Menschen, die zuhören. Menschen, die mitdenken. Menschen, die mittragen - in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und darüber hinaus.
Atmosphäre ist etwas Unsichtbares, und doch prägt sie alles. Sie entscheidet, ob wir uns gesehen fühlen, ob wir aufatmen können. Wo Liebe, Achtsamkeit und Fürsorge spürbar sind, wird das Leben reich. Vielleicht ist das die tiefere Botschaft dieses Tages:
Dankbar wahrzunehmen, wie sehr wir einander beschenken - oft ganz leise, fast unbemerkt.
Wenn die Atmosphäre stimmt, dann wird jeder Tag zu einem Tag des Dankes. Und vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das wir einander machen können.
Rüdiger Glaub-Engelskirchen, Gemeindereferent

